Südsudan - Projekt für St. Martinskollekte 2019

»Es ist unsere Aufgabe, die Kinder wieder aufzurichten«

Viele Kinder im Südsudan leben auf der Straße, als Waisen oder getrennt von ihren Familien – eine Folge des jahrzehntelangen Bürgerkrieges. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks werden rund 19.000 Minderjährige in dem jüngsten Staat der Erde als Kindersoldaten missbraucht. Bruder Lothar Wagner setzt sich für diese Kinder ein. Der Sozialpädagoge aus Trier ist seit Juni 2018 Koordinator für Kinderschutz in den Städten Wau und Kuajok. Im Januar 2019 war er in Bonn zu Besuch.

Allein in Wau, der zweitgrößten Stadt Südsudans, leben 1.200 Kinder unter 18 Jahren auf der Straße. Viele von ihnen sind ganz alleine und haben ihre Eltern aufgrund des Bürgerkriegs verloren. Unter den Straßenkindern sind viele Kindersoldaten, die schwer traumatisiert sind. »Ich erinnere mich an einen Fall, wo ein achtjähriger Junge von seinem Vater als Kindersoldat rekrutiert wurde, obwohl er zu klein war, um eine Waffe zu tragen. Er hat unter anderem gesehen, wie Frauen vergewaltigt wurden. Der Junge ist heute schwer traumatisiert und weint nur lautlos«, erzählt Wagner bei einem Pressegespräch in Bonn. Um diesen Kindern zu helfen, fordert der 45 Jahre alte Sozialpädagoge mehr Hilfe von der UN. Es brauche nicht nur eine verbesserte ärztliche Versorgung, sondern auch Unterstützung im pädagogischen und psychologischen Bereich. Ein Problem sei, dass es vor Ort nur wenige Menschen mit pädagogischer oder psychologischer Ausbildung gebe.

Doch gerade traumatisierte Kinder, wie ehemalige Kindersoldaten, brauchen dringend psychologische Hilfe. »Wenn die Kinder am Boden sind, geht es darum, sie vom Boden wieder aufzurichten«, sagt Bruder Lothar.

 Dieses Ziel verfolgt das Projekt im Südsudan mit einer dreistufigen Strategie. Die Anlaufstelle in Wau wird ergänzt durch ein Rehabilitationszentrum in Kuajok, das Platz für 32 Kinder hat. Zudem bieten die Salesianer Anlaufstellen mit warmen Mahlzeiten, Duschen und Spielmöglichkeiten.

»Wir wollen die Straßenkinder wieder in die Familie zurückführen. Das ist oft ein schwieriger und langwieriger Prozess. Wir geben aber nicht auf, denn der beste Platz für ein Kind ist seine Familie«, ist Bruder Lothar überzeugt.

32 Kinder seien innerhalb der vergangenen sechs Monate zu ihren Familien zurückgekehrt. Zwei von ihnen leben inzwischen wieder auf der Straße. »Wenn die Hälfte der Kinder daheimbleibt, ist das für mich schon ein Erfolg«, betont Bruder Lothar. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit mit Straßenkindern sei auch die Ausbildung. So arbeite die Anlaufstelle in Wau mit einer Berufsschule zusammen. Dort können die Kinder und Jugendlichen einen Computerkurs belegen oder sich unter anderem zum Maurer, Schreiner oder Drucker ausbilden lassen.

Der Afrikaexperte kennt den Kontinent schon seit 13 Jahren. Er war auch in Sierra Leone, als die Ebola-Krise ihren Höhepunkt erreichte. »Die Menschen starben nur so dahin vor unseren Augen. Wir fühlten uns machtlos«, erinnert sich der Salesianer. Dennoch blieben die Salesianer. »Wir Salesianer dürfen uns nicht zurückziehen, wir müssen auch weiterhin an die Ränder gehen, so, wie es auch Papst Franziskus von uns fordert«, so Bruder Lothar.

Eine Mission wird nur dann impossible, wenn ich alles alleine bewirken will, ohne darauf zu vertrauen, dass Gott mitwirkt Oder, um es mit den Worten von Don Bosco zu sagen: »Tu, was du kannst, Gott macht den Rest.

«Der gebürtige Trierer kennt auch Erfolgsgeschichten aus Afrika. Etwa die Geschichte eines ehemaligen Straßenkindes aus Ghana, das abends immer vor den Schulen wartete und sich von den Schülern Bücher lieh, um nachts zu lernen. Dabei brachte es sich Lesen und Schreiben selbst bei. Daraufhin besuchte der Junge eine Schule der Salesianer und machte dort sein Abitur. Er studierte unter anderem in Deutschland BWL und leitet heute seine eigene große Nichtregierungsorganisation für ganz Westafrika. Oder die Geschichte eines ehemali-gen Schülers aus dem Südsudan, der eine Schiedsrichter-Ausbildung absolviert hat. Mittlerweile pfeift er sein erstes Länderspiel in Afrika. »Die Schiedsrichter-Kleidung bekommt er von uns spendiert – das ist ja wohl klar, sagt Bruder Lothar zufrieden.

 

ANSPRECHPARTNER:Benjamin AkoutouProjektreferentb.akoutou@donboscomission.de

"Wir möchten Kinder, die am Boden liegen, wieder aufrichten."

Bruder Lothar Wagner SDB, Koordinator für Kindesschutz im  Südsudan 

Viele Kinder im Südsudan leben auf der Straße, als Waisen oder getrennt von ihren Familien - eine Folge des jahrzehntelangen Bürgerkrieges. Nach Angaben des  UN-Kinderhilfswerk werden rund 19.000 Minderjährige im Südsudan als Kindersoldaten missbraucht. Bruder Lothar Wagner setzt sich für diese Kinder ein. Der Sozialpädagoge aus Trier ist Koordinator für Kinderschutz in den Städten Wau und Kuajok.
https://www.donboscomission.de/wer-wir-sind/don-bosco/die-salesianer-don-boscos/